Ugandisches Krisenmanagement – Wie im Kleinen so im Grossen?

Etwas vom ersten was ich von meiner ugandischen Familie gelernt habe ist, wie sie mit schlechten Nachrichten umgehen.

Beispiel: Person A einer Familie ist bei einem Verkehrsunfall gestorben. Person B weiss das bereits und muss es Person C mitteilen.

1. B erklärt C, dass etwas Schlimmes passiert sei. Es habe einen Unfall gegeben bei welchem A involviert gewesen sei.

2. Später erst sagt er, dass es wirklich kritisch sei mit A.

3. Noch etwas später wird B mitteilen, dass A gestorben ist.

Für mich klang dieses schrittweise Mitteilen zu Beginn wie Lügen. Für Ugander ist es aber viel viel wichtiger, dem andern die schlimme Nachricht schonend und langsam mitzuteilen. Vielleicht  damit es nicht zum Schock kommt, und daraufhin einigermassen gefasst die nächsten nötigen Schritte geplant werden können. Meine schweizerische Wahrnehmung wäre genau umgekehrt. Ich würde so schnell wie möglich alles wissen wollen, damit ich möglichst schnell handeln kann. Meine Erfahrung hat mir jedoch gezeigt, dass sich im Umgang mit Ugandern durchaus die ugandische Methode lohnte, wenn ich ihnen Schlimmes Mitteilen musste.

Umgekehrt ist es mir jedoch gerade kürzlich wieder passiert, dass ich aus lauter Hoffnung auf die Methode „reingefallen“ bin:

Ich las in der ugandischen Online-Zeitung dass die Region eines befreundeten ugandischen Hilfswerks von Dürre betroffen ist, zusammen mit einigen anderen Regionen in Uganda. An diesem Ort seien Kinder an Kwashiorkor (Protein-Energie-Mangelernährung) gestorben.

Ich habe sofort angerufen, um nachzufragen wie die Situation ist, warum sie uns nichts gesagt haben, wie es unsern Kindern geht, etc. Die Antwort war kurz: Ja es sei schwierig in der Region, aber den Familien in der Hilfsorganisation gehe es gut.

Ein zwei Tage später ein weiteres Telefongespräch: Das Leitungsteam wolle beraten, wie sie einen Nahrungs- und Finanzvorrat anlegen können, da sie damit rechnen, dass es auch für sie schwierig werden wird.

Nochmals ein zwei Tage später: Meine Kontaktperson berichtet, dass ein grosses internationales Hilfswerk in der Region Hilfsgüter verteilt. Da diese aber offenbar keine Vertrauenspersonen in der Region haben, wurde die Lieferung an die politischen Führer abgegeben mit der Aufforderung die Hilfsgüter zu verteilen. Die Hilfsgüter sind nicht bei den Bedürftigen angekommen, die Gemeinderäte etc haben wohl selber Familie…  Wenigstens hatten die Anwohner den Mut das Problem der Hilfsorganisation zu melden. Ob sich etwas ändert, wird sich zeigen.

Für mich war aber nach dieser letzten Nachricht klar, dass die Situation einiges schlimmer ist, als die Projektleiter erzählten, respektive ich haben sie wohl schweizerisch statt ugandisch verstanden.

Nun rechne ich damit, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die ersten Notfälle aus der Organisation gemeldet werden.