Schlange im Kuehlschrank

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Gestern Nacht war ziemlich aufregend, denn wir haben unsere Hausschlange entdeckt, die wahrscheinlich schon eine lange Zeit bei uns im Kuehlschrank gelebt hat.

Ein sehr schoenes Tier, keine Frage; aber wahrscheinlich wird jeder verstehen, dass wir irgendwie ein Problem hatten, diese 2-Meter lange Schlange einfach dort zu belassen, wo wir sie gefunden hatten und in Ruhe schlafen zu gehen.

Normalerweise werden Schlangen in Uganda einfach erschlagen, sobald man diese findet. Ugander haben grosse Angst vor diesen Tieren; kein Wunder, da es viele Schlangen gibt wie die gruene und schwarze Mamba, deren Bisse toedliche Folgen auch fuer erwachsene Menschen haben.

So kam der 7-jaehrige Junge vom Nachbarn sofort mit einem Stock an, um die Schlange totzuschlagen, und wir hatten dies auch die letzten beiden Male, als wir Schlangen im Garten gefunden hatten, auch zugelassen. Was soll man denn sonst machen? Die Schlange irgendwie aus dem Kuehlschrank holen und dann zum Nachbarn uebern Zaun werfen, so dass dieser das Problem hat?

Dieses mal, gluecklicherweise fuer das arme Tier, hatten wir erst kuerzlich das einzige Schlangenzentrum von Uganda besichtigt gehabt (www.reptiles.ug) und die Mitarbeiter dort hatten uns ans Herz gelegt, Schlangen nicht umzubringen, sondern sofort das Zentrum anzurufen (0782 – 349 583) und jemanden zu bitten, zu uns zu kommen und die Schlange abzuholen.

So haben wir das also gestern Nacht gemacht und dort angerufen, auch wenn wir nicht wirklich daran geglaubt hatten, dass um Mitternacht irgendjemand kommen wird fuer eine Schlange.

Und dann sassen wir in sicherer Entfernung mit einem Besen in der Hand und beobachteten unsere Schlange im Kuehlschrank. Anfangs lag das Tier da nur zusammengerollt und beobachtete uns. Jedes mal, wenn die Schlange den Kopf raussteckte, klopften wir mit unserem Besenstiel auf den Boden, was anfangs auch half und dazu fuehrte, dass die Schlange sich wieder im Kuehlschrank versteckte.

Nach einer Weile gefiel dieser aber dieses Spiel nicht mehr und sie lies sich von den Vibrationen nicht mehr abhalten und kam raus (siehe Foto).

Mein Mann sass in sehr sicherer Entfernung am Laptop und versuchte im Internet Informationen zu finden, welche uns helfen koennten, die Schlange zu identifizieren, so dass wir zumindest wissen wuerden, ob diese denn nun giftig war oder nicht. Leider nicht mit viel Erfolg.

Es gibt tausende verschiedene Webseiten ueber Schlangen, aber keine davon hat eine Aufstellung mit Bildern und Beschreibungen ueber die einheimischen Schlangen hier in Uganda. Fuer einen Biologen und Schlangenforscher muesste das doch hier ein abslutes Paradies sein; man kann hier Tierarten entdecken und beschreiben, was noch kein Mensch zuvor gemacht hat.

Wir hatten Boxen um die Kueche herum aufgestellt, in der Hoffnung, dass dies keine Kletterschlange war und damit die Barrikaden nicht ueberwinden konnte, bis endlich fachliche Hilfe eintraf, um uns von der Schlange zu befreien.

Die ugandischen Schlangenretter waren recht schnell, bedenkt man, dass Ugander keine eigenen Transportmoeglichkeiten haben, und sich zu uns nachts mit oeffentlichen Transport finden mussten. Ungefaehr 2 Stunden spaeter riefen sie uns von der vereinbarten Stelle aus an, und mein Mann konnte sie dann mit unserem Fahrzeug abholen.

Die Rettungsaktion selbst war kurz und schmerzlos. Die Jungs zogen die Schlange einfach am Schwanz aus dem Kuehlschrakt raus und platzierten diese dann in eine von uns bereitgestellte Stofftasche. Von nun an wird diese Schlange in der “Reptile Village” in Entebbe ihr neues zu Hause finden und dort zu besichtigen sein. Eine der wenigen Schlangen in Uganda, die nicht getoetet wurden, sofern vom Menschen gefunden.

Allerdings weiss ich immer noch nicht, was das fuer eine Schlange war, die bei uns im Kuehlschrank ein fettes Leben gelebt hat, denn immerhin hatte diese eine schoene Laenge von 2 Meter erreicht. Es koenne eine Boiga Blanche gewesen sein, man waere sich aber nicht sicher, so die Auskunft der beiden Schlangenretter. Sie haetten noch nie eine derartige Schlange gesehen; aber wahrscheinlich sei diese nicht giftig, da sie sich nicht gewehrt hatte, als diese am Schwanz aus dem Kuehlschrank rausgezogen wurde, so deren ‘wissenschaftliche’ Erklaerung.

Es seien vorwiegend “Mzungus” (Weisse), die Schlangen melden und dem Zentrum zur Verfuegung stellen wuerden. Ugander selber haetten leider (noch) nicht das Verstaendnis dafuer, dass auch Schlangen zu schuetzenswerten Tierarten gehoeren.

Was Uganda hier, neben all den anderen Problemen, die es noch so gibt, dagegen tun kann, weiss ich nicht. Vielleicht koennte man im Biologie-Unterricht mehr ueber Schlangen aufklaeren; das wuerde aber voraussetzen, dass man diese kennt und es dafuer Buecher, Bilder und Beschreibungen gibt. Wuerden Ugander wissen, welche Schlangen giftig und welche nicht giftig sind, dann wuerden zumindest die nicht-giftigen vielleicht nicht mehr erschlagen werden.

Dann gibt es natuerlich leider nur dieses eine Schlangenzentrum, welches von der Community in Eigeninitiative betrieben wird. Foerdergelder gibt es natuerlich dafuer keine, denn die internationalen Geldgeber konzentrieren sich auf medienwirksamere Projekte. So wird es wohl noch eine Weile bei den wenigen ‘Mzungus’ bleiben, die zufaelligerwiese von diesem Reptile-Village Projekt gehoert haben, und dann gefundene Schlangen nicht sofort toeten, sondern irgendwie dafuer Sorge tragen, dass diese ihren Weg in dieses Zentrum finden.

Hier die Kontaktdaten fuer alle, die bei sich im Garten oder im Haus eine Schlange finden und nicht (gemaess ugandischer Tradition) diese umbringen wollen, sondern es vorziehen, das Tier am Leben zu belassen:

Uganda Reptile Village
Tel 0782 – 349 583 oder 0756 – 250 102
Bunono Village, Entebbe – Wakiso District
PO Box 24, Abayita Ababiri
Email: kazibwe@reptiles.ug oder ugandareptilesvillage@yahoo.com
Internet: www.reptiles.ug