Wahlen in Uganda

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Vor den Wahlen und eventuellen Unruhen hatten nicht nur wir Expatriates ziemlich grosse Angst gehabt: Die meisten meiner Expatriat-Freunde haben das Land letzte oder vorletzte Woche verlassen und urlauben in Zansibar, Kenia oder Deutschland; die Haeuser fest abgeschlossen, Sicherheitskraefte erhoeht und weg. Viele Bueros haben einfach mal fuer zwei Wochen geschlossen und Ugander, wer nur irgendwie konnte, hat Kampala den Ruecken gekehrt und verbringt seine Zeit bei seiner Familie im Dorf.

Wir haben jedoch Kampala nicht den Ruecken gekehrt, sondern sind hier geblieben und verwalten die Schluessel zu den abgeschlossenen Haeusern unserer Freunde.

Dass Musevini wieder “gewonnen” hat, hat der politisch interessierten Leser sicherlich bereits in der Presse verfolgt. Ueber 70% der Waehler sollen ihn gewaehlt haben; es werden jedoch nur Prozentzahlen veroeffentlicht. Ich habe noch nirgends finden koennen, wieviele Leute ueberhaupt gewaehlt haben: 10.000, 100.000, 1.000.000?

Uganda hat geschaetzte 35 Millionen Einwohner, von denen lt. Statistiken mehr als 50% unter 15jaehrige Kinder sind. Ich habe keine Zahlen fuer die 15 bis 18jaehrige Gruppe, aber das sind wahrscheinlich auch nochmal so um die 10%. Das heisst, dass von 35 Millionen Ugandern nicht mehr als 40% volljaehrig sein koennen und damit waehlerberechtigt, also schaetzungsweise 14 Millionen.

Vor einigen Monaten, als die Waehlerregistrierung im vollen Laufen war, gab es irgendwo mal eine Veroeffentlichung, dass sich 15 Millionen Ugander registriert haben sollten, was rein rechnerisch bedeuten wuerde, dass sich mehr als jeder einzelne erwachsene Ugander registriert haette. Ich bezweifle nicht, dass in Deutschland jede erwachsene Person als potentieller Waehler zaehlt mit all den Einwohnermeldeaemtern und Ausweisen. In Uganda jedoch, wo die Mehrheit der Bevoelkerung auf dem Lande lebt und noch nie einen Ausweis gesehen hat und selbst Geburten nicht registriert werden… ??

Persoenlich kenne ich nicht mehr als 10 Ugander, die sich registriert hatten; und ich lebe inmitten von wirklich vielen.

Alles weitere waeren nur Spekulationen meinerseits, und daher kann ich dazu nichts schreiben. Ich habe keine Zahlen und ich weiss nicht, wieviele Ugander letztendlich zur Wahl gegangen sind und wieviele fuer welchen Kandidaten gestimmt haben.

Wir haben allerdings gelesen, dass es eine grosse Zahl an Ugandern gab, die in ihrem Wahlklokal am Tag der Wahl aufgekreuzt sind, und dann ihren Namen nicht auf der Waehlerliste finden und somit keine Stimme abgeben konnten. Ob diese Ugander fuer den “falschen” Kandidaten gestimmt haetten?

Trotz dass es hiess, dass alle Kandidaten 7 Tage vor der Wahl mit Ihrer Propaganda aufhoeren muessen, haben wir vom Hauptkandidaten, der seit 25 Jahren am Tron festhaelt, am Tag der Wahl eine SMS aufs Handy erhalten mit vielen Gruessen und einer Erinnerung, wen wir waehlen sollten. Vorgestern gab es wieder eine SMS vom “Mann mit dem Hut” und ein Dankeschoen.

Unruhen gab es keine.

Aber auch kein Wunder. Es gab und gibt so viel Polizei und Militaer ueberall in der Stadt, dass man selbstmordgefaehrdet sein muss, um irgendeine Unruhe anzufangen. Es solle ein sofortiger Schiessbefehl wirksam sein und das Militaer sei angehalten, jegliche Unruhe sofort im Keim zu ersticken.

Wir waren am Samstag in der Stadt und auch am Dienstag; ich habe mir aber nicht getraut Fotos zu machen vom Militaeraufgebot. Die Strassen waren aber angenehm staufrei.

Seit 10 Tagen gibt es enorme Stromprobleme und der Strom wird taeglich fuer mehrere Stunden abgeschaltet; so auch jetzt, als ich diesen Artikel schreibe und mit Sorge die Batterie vom Laptop im Auge behalte. Angeblich solle es Probleme mit der Stromversorgung in Lubowa geben und daher diese regelmaessigen Abschaltungen, welche teilweise 10 bis 12 Stunden dauern. Der Strom kommt dann fuer kurze Zeit wieder, manchmal nur fuer 10 Minuten, was fuer’s Aufladen vom Handy reicht – bis zur naechsten Abschaltung. Wir haben keinen Generator und schlagen daher unsere Zeit tot mit Lesen von Krimis und nach 19 Uhr, wenn das Tageslicht weg ist, haben wir maechtig viel Zeit, uns gegenseitig Geschichten aus unserer Kindheit zu erzaehlen.

Ob die Stromprobleme mit den Wahlen zu tun haben, waere eine sehr weit hergeholte Vermutung. Es kann durchaus Zufall sein, dass es gerade jetzt landesweite Stromversorgungsprobleme gibt.

So, Uganda hat seinen Presidenten demokratisch “gewaehlt”. Heute ist grosse Party in der Stadt angesagt, die Botschaft warnt und man solle die Stadt meiden; die Landeshaushaltskasse ist durch die Wahl leergeraeumt, aber die vielen Geldgeberorganisationen koennen und werden ja helfen, diese wieder aufzufuellen, sobald die Expatriats wieder im Lande eingeflogen sind, aus ihren weltweiten Urlaubsdestinations.